impressum

"Le grand Lustucru - Lars Duppler Trio spielt Kurt Weill"


Lars Duppler - Piano
Matthias Nowak - Bass
Jens Düppe - Schlagzeug

Als Gäste: John Ruocco (Klarinette) und Eva Mayerhofer (Gesang).

Schon in seiner frühen Laufbahn verband Kurt Weill Jazz, Tanzmusik, Lieder mit der so genannten E-Musik. "Ich halte nichts von der Unterscheidung in E und U", hat der 1900 geborene Weill gesagt, "für mich gibt es nur gute oder schlechte Musik." Der Erfolg des Jahrhundertkomponisten, sowohl im Berlin der Zwanziger als auch nach seiner Emigration in die USA als Musical-Komponist, beruhte auf diesem Satz. Und selbst nach seinem Tod ist die Popularität seines Zeitlosigkeit haftenden Stils ungebrochen. The Doors, Miles Davis oder Nick Cave haben sich seiner Lieder angenommen. Dem Sohn aus einer jüdischen Familie war es wichtig, das Publikum durch bekannte, populäre Melodien an komplexe Strukturen in der Musik heran zu führen. Der Höhepunkt dieser künstlerischen Attitüde wird von vielen in "Die Dreigroschenoper" (1929) gesehen. "Qualitative Gebrauchskunst" nannte er das Ergebnis. Jazz spielte dabei von Anfang an eine besondere Rolle für Weill. Er betrachtete ihn als "Rhythmus der Zeit". Einige einer amerikanischen Stücke sind heute Jazz-Standards. Der Kölner Pianist Lars Duppler hat sich mit seinem Trio dem Kredo Weills angenommen. Auf seiner neuen CD "Le grand Lustucru" begibt sich der 30-Jährige auf die jazzigen Spuren des aus Dessau stammenden Komponisten. Duppler hat über einen anderen Jazz-Musiker zu Kurt Weill gefunden. Die deutsche Legende Joachim Kühn hat vor fast zehn Jahren "Die Dreigroschenoper" für den Jazz bearbeitet.

Duppler hat nun zehn Lieder Weills ausgewählt, darunter bekannte Nummern wie "Pollys Song" und "Mackie Messer" aus der "Dreigroschenoper", "Der Song des Lotterieagenten" aus der Oper "Der Silbersee" (1933) oder ,,My Ship" aus dem Musical "Lady in the Dark" (1944), und hat die jazzigen Strukturen der Kompositionen konsequent weiter verfolgt. Dabei sind Interpretationen entstanden, die neben Weills Liebe für Eingängigkeit und Verspieltheit auch Dupplers tiefes Verständnis für den Gehalt der Weillschen Musik widerspiegeln. "Weill", sagt Duppler, "war ein sehr humorvoller Mensch, mit einer Vorliebe für Ironie, ganz anders als viele andere Komponisten der E-Musik." Deutlich wird das in der "Zuhälterballade", die mit einem groovigem Swing beginnt, dann in ein Free-Jazz lastiges Drum-Solo wechselt und schließlich in Dupplers beschwingtem Pianospiel im Uptempo kulminiert. "Nannas Lied" spielt dagegen mit breitflächig-epischen Melodien und einem düsteren aber dennoch leichtem Piano, in dem man den emotionalen Abgrund und die Zerrisenheit der Nanna zu erkennen erkennen glaubt. Die "Grabschrift", in der Mackie Messer vor seiner nahenden Hinrichtung um Verzeihung bittet, wird zum treibenden Duell zwischen Piano und Klarinette, die die zwei miteinander kämpfenden Seelen des Mackie musikalisch zu symbolisieren scheinen. Der Höhepunkt der CD ist vielleicht "Pollys Song", der die Fundamente aller Arrangements Dupplers festlegt: Treibende Rhythmik und Hang zur starken Melodie.

Duppler liegt wie Weill viel daran, ein breites Publikum zu erreichen, ohne seinen künstlerischen Anspruch auf das Schafott des seichten Kompromisses zu schicken. "Ich mache Jazz durch anderes melodisches Material greifbarer. Die Zuhörer haben so oft eine direktere Verbindung zur Musik, so wie die Broadway-Songs in Amerika, die später zu "Standards" wurden, auch einem größeren Publikum bekannt waren. Warum sind dann eigentlich Weills deutsche Songs noch keine Standards? Sie sind es. Das will ich mit meiner CD zeigen." Duppler ist also auf einer Mission, die live übrigens schon eine große Fangemeinde gefunden hat. Der Preisträger des Kölner Jazz-Förderpreises 2003 ist dabei so erfolgreich, weil es ihm mit einer selbstbewussten eigenen künstlerischen Stimme gelingt, das über Weills Werk zu sagen, was es zu einem derart universellen Mythos hat werden lassen: Die Schönheit des Lebens ist nur dann vollendet, wenn die Liebe das Leiden kennt.